„Geh nicht gelassen in die gute Nacht“ – Dylan Thomas

Was Neues – Poetry 14.06.2018

Manchmal ist das Glas halb voll, manchmal ist es eher halb leer. Was aber, wenn mein Glas fast überläuft, während das eines Anderen nicht einen Tropfen enthält? Je voller das Glas, desto eher neigen wir dazu uns zufrieden zu geben. Satt und glücklich lehnen wir uns zurück. Den Wenigen, die versuchen aufzustehen, rufen sie zu „Aber so war es doch schon immer. Was kann ein Einzelner schon tun? Es ist gut so wie es ist.“ Ihre Stimmen sind unglaublich laut und sie sind überall. Wenn ich dann fast geneigt bin nachzugeben, fällt es mir wieder ein: „Geh nicht gelassen in die gute Nacht“.

„Do not go gentle into that good night“ ist ein Gedicht des walisischen Schriftstellers Dylan Thomas und wurde 1951 erstmals veröffentlicht. Es richtet sich an Thomas Vater, der im Sterben lag. Es ist eines meiner lieblings Gedichte und heute möchte ich euch erklären, warum das so ist. Für mich gibt zwei Arten dieses Gedicht zu lesen. Einmal völlig unabhängig von seinem Autor und einmal mit dessen biographischen Hintergrund im Hinterkopf. In Anbetracht der Erlebnisse des Autors ist es ein Gedicht über das Altern und über den Kampf eines Mannes, der im Angesicht des Todes steht. Für mich jedoch ist es ein Aufruf. Eine Mahnung, die mir den leichten Weg versagt und gleichzeitig Hoffnung verspricht.

Im Jugendroman „Die Auswahl“ wird das Gedicht als Symbol des Widerstandes verstanden. Es ist eines der vielen verbotenen Werke, deren Besitz gnadenlos bestraft wird. Insgesamt wird die Zahl der erlaubten Gedichte auf 100 Stück gehalten. Ebenso ist es mit Gemälden, Liedern und Geschichten. Die Protagonistin wird zunächst als ein linientreues, naives Mädchen vorgestellt. Im Laufe der Geschichte kommt sie an Thomas Dylan’s Gedicht. Plötzlich scheint es als könnte sie zum ersten Mal wirklich sehen.

Ein Hoch auf Bücher! Sicher, es gibt Jugendromane deren Aussagekraft sich auf einen glitzernden Vampir-Schönling beschränkt. Es gibt jedoch auch diese Werke, die dich ein Leben lang prägen. Dylan Thomas, an dieser Stelle sollte ich dir wohl danken. Du bist der Grund, warum ich die Stimmen hinter mir lasse und letztendlich doch aufstehe.

Taubenhafte Grüße

Eure Anne

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